CBD fördert Regeneration von Sportlern, Leistungsplus bleibt aus
CBD unterstützt Sportler nachweislich bei der Regeneration und lindert Muskelschmerzen, eine direkte Leistungssteigerung bleibt jedoch aus. Die Darreichungsform ist entscheidend: Oral eingenommen wirkt es, Cremes und Salben zeigen keine Effekte.

Cannabidiol (CBD) kann die Regeneration von Sporttreibenden nach dem Training begünstigen, eine direkte Leistungssteigerung ist damit jedoch nicht verbunden. Dies ist das Fazit einer aktuellen wissenschaftlichen Übersichtsarbeit, die im International Medical Journal erschienen ist. Wissenschaftler des 4. Militärischen Klinischen Krankenhauses sowie des Universitätsklinischen Krankenhauses aus Polen analysierten dafür Studien aus dem Zeitraum 2021 bis 2026, die in den Datenbanken PubMed und Scopus gelistet waren.
Den Ergebnissen zufolge entfaltet CBD seine stärkste Wirkung bei der Linderung von verzögert auftretendem Muskelkater, medizinisch als DOMS bezeichnet. Die Autoren konnten belegen, dass CBD die Werte von Muskelschädigungsmarkern wie Kreatinkinase und Myoglobin absenkt – speziell im Fenster von 48 bis 72 Stunden nach einer intensiven Trainingseinheit.
WADA-Entscheidung als Wegbereiter
Nach Einschätzung der Studienautoren stellte der Beschluss der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) aus dem Jahr 2017 einen entscheidenden Wendepunkt dar. Seit diesem Zeitpunkt dürfen Athleten CBD legal nutzen, ohne eine Sperre befürchten zu müssen. Allerdings machen die Forscher auf ein gravierendes Problem aufmerksam: Zahlreiche im Handel erhältliche CBD-Produkte seien fehlerhaft deklariert und könnten THC enthalten. Dies berge ein „echtes Risiko für unbeabsichtigte Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen für Sportler“.
Grundsätzlich bezeichnen die Wissenschaftler CBD als „eine sichere Substanz mit einem geringen Risiko, Nebenwirkungen zu verursachen, die den Komfort der Sportler beeinträchtigen könnten“. Ein statistisch relevanter Effekt auf die sportliche Leistung bei Ausdauerbelastungen wie Zeitfahren, maximaler Kraftabgabe oder Laufökonomie ließ sich hingegen nicht nachweisen.
Muskelschmerzen deutlich gelindert
Eine Untersuchung mit täglich 67 mg CBD, das über 15 Tage sublingual verabreicht wurde, lieferte konkrete Anhaltspunkte: Die Probanden gaben 48 Stunden nach einer künstlich herbeigeführten Muskelverletzung deutlich niedrigere Spitzenschmerzen in Ruhe sowie bei Bewegung an als die Placebogruppe. Zudem war der Kraftverlust in der CBD-Gruppe nach 48 Stunden geringer ausgeprägt.
Auch indirekt kann CBD die Erholung von Sportlern fördern. Die Studie verweist auf eine verbesserte „Schlafarchitektur“. Es wird angenommen, dass CBD die Zeit bis zum Einschlafen verkürzt und die Häufigkeit des nächtlichen Erwachens reduziert, was sich am Folgetag in einer gesteigerten psychophysischen Leistungsbereitschaft niederschlägt.
Darreichungsform spielt Schlüsselrolle
Ein unerwartetes Resultat der Übersichtsarbeit betrifft die Applikationsweise. Die positive Wirkung von CBD auf Sportler hängt maßgeblich von der Darreichungsform ab. Oral eingenommene Präparate weisen eine verbesserte Bioverfügbarkeit auf und bieten relevante Unterstützung. Topische Anwendungen wie Cremes und Salben eignen sich laut aktuellem Forschungsstand hingegen nicht zur Schmerzlinderung im Muskelbereich.
„Ein wichtiges Ergebnis dieser Analyse ist das völlige Fehlen von Beweisen, die die Wirksamkeit von CBD-Cremes und -Salben zur Linderung von DOMS unterstützen“, halten die Verfasser fest. Selbst Dosierungen von bis zu 1000 mg hätten keinen Einfluss auf die Schmerzschwellen oder die Kraftparameter gehabt. Die Hautbarriere stelle eine erhebliche Hürde dar, sodass die Konzentration, die in den tieferen Muskelfasern ankommt, nicht ausreichend sei.
Schutz für das Gehirn und kognitive Effekte
Zusätzlich heben die Wissenschaftler das Potenzial von CBD hervor, kognitive Einschränkungen abzumildern. Studien belegen seine „neuroprotektive Rolle bei der Normalisierung der Herz-Hirn-Achse nach leichten traumatischen Hirnverletzungen, die bei Kontaktsportarten häufig sind“. Aus sportpsychophysiologischer Sicht seien die zentralen Wirkbereiche von CBD der Nervenschutz, die Stimmungsregulation sowie die Optimierung des Schlafmusters.
Grenzen der Studienlage und Gefahren
Der Review räumt jedoch auch Limitierungen ein. Viele der bisherigen Untersuchungen arbeiteten mit geringen Stichprobengrößen. Zudem bestehe weiterhin das Risiko einer THC-Verunreinigung in CBD-Produkten, und es fehle an standardisierten Dosierungsvorgaben. Dies erschwere „die Entwicklung präziser Richtlinien für Sportler“. Eine kürzlich publizierte separate Übersichtsarbeit bestätigte, dass CBD „antientzündliche, neuroprotektive, analgetische, anxiolytische und potenziell leistungssteigernde Eigenschaften bei Sportlern aufzuweisen scheint“. Das Resümee: „CBD scheint vorteilhafte Eigenschaften für die sportliche Erholung zu haben.“
