Hanf-Industrie in den USA: THC-Verbot tritt erst im Dezember in Kraft
Der US-Senat hat das Inkrafttreten neuer Hanf-Einschränkungen auf Dezember verschoben. Für Cannabis-Anleger bedeutet dies eine kurze Atempause, doch langfristig stehen weitreichende regulatorische Änderungen für den milliardenschweren Markt bevor.

Die amerikanische Hanfbranche durchlebt derzeit eine Phase massiver Unsicherheit. Ein Bundesgesetz aus dem Jahr 2025 bringt neue Auflagen für Cannabinoid-Produkte auf Hanfbasis mit sich. Eigentlich war das Verbot für November 2026 terminiert – doch nun wurde der Termin überraschend nach hinten verlegt. Der US-Senat stimmte mit überwältigender Mehrheit von 90 zu 6 Stimmen für eine fortlaufende Resolution, die das Wirksamwerden der meisten neuen Hanfbestimmungen vom 12. November auf den 11. Dezember verschiebt. Ein Vorstoß der Republikaner, die Verschiebung wieder aus dem Gesetz zu streichen, fand keine Mehrheit (61 zu 32 Stimmen). Präsident Donald Trump setzte seine Unterschrift unter das Gesetz und gewährte der Branche damit eine kurze, aber folgenreiche Gnadenfrist.
Allerdings ist die Verschiebung enger gefasst, als es auf den ersten Blick scheint. Sie betrifft ausschließlich natürlich in der Cannabispflanze vorkommende Hanf-Cannabinoide. Erzeugnisse mit synthetischen Cannabinoiden werden bereits ab dem 12. November bundesrechtlich als Marihuana eingestuft. Für die Hanfindustrie stehen immense wirtschaftliche Werte auf dem Spiel. Der Sektor setzt in den USA Schätzungen zufolge jährlich weit über 28 Milliarden US-Dollar um.
Vom Nischenmarkt zum Milliardenbusiness
Die moderne Hanfbranche nahm ihren Anfang mit dem Farm Bill von 2018. Der Kongress strich Hanf und das darin enthaltene THC aus der bundesweiten Marihuana-Definition. Hanf wurde über seinen Delta-9-THC-Gehalt definiert: maximal 0,3 Prozent des Trockengewichts. Diese Abgrenzung machte den legalen Anbau in großem Stil möglich. Der Farm Bill regelte jedoch ausschließlich den Anbau, nicht aber fertige Erzeugnisse. Die Food and Drug Administration (FDA) verfolgte bei Hanfprodukten zum Konsum weitgehend eine abwartende Strategie.
Diese Gemengelage – eine neue legale Hanfdefinition, fehlende Regeln für Endprodukte und kaum Durchsetzung – bildete den Nährboden für ein explosives Wachstum. Firmen schufen Marken mit Hanf-Cannabinoiden für gesundheitsbewusste Verbraucher, während andere sich auf berauschende THC-Produkte konzentrierten. Da fertige Hanfprodukte nicht als bundesweit kontrollierte Substanzen eingestuft waren, genossen Unternehmen Freiheiten, die der Marihuana-Branche verwehrt blieben: Produktion, Vertrieb und Verkauf ohne staatliche Grenzen.
Ein Konsument in Florida kann etwa ein berauschendes Hanfprodukt online bei einem Unternehmen in Minnesota ordern, per Kreditkarte bezahlen und es sich per Paketdienst nach Hause liefern lassen. Der grenzüberschreitende Handel, die Nutzung von Kreditkarten und der Versand sind in der Marihuana-Industrie untersagt. Auch der stationäre Handel boomte: Während Marihuana-Produkte üblicherweise nur über lizenzierte Dispensaries verkauft werden, sind Hanfprodukte in Tankstellen, Spirituosenläden und Supermärkten erhältlich.
Die neuen Auflagen und ihre Auswirkungen
Die bundesweiten Beschränkungen aus dem Jahr 2025 schränken die legale Hanfdefinition deutlich ein. Zahlreiche Produkte, die derzeit landesweit vertrieben werden, würden nicht mehr als Hanf durchgehen. Diese Schwellenänderung wird große Teile des Cannabinoid-Marktes zum Verschwinden bringen. Für Unternehmen, die massiv in Fertigung, Lieferketten und Einzelhandel investiert haben, stehen erhebliche Risiken im Raum.
Die Folgen würden weit über die Hersteller hinausreichen. Landwirte, die Hanf zur Cannabinoid-Extraktion anbauen, könnten einen starken Nachfragerückgang verkraften müssen. Händler, die auf den Verkauf von Hanf-Cannabinoid-Produkten angewiesen sind, droht der Verlust einer wichtigen Einnahmequelle. Und Verbraucher, die derzeit legale Hanfprodukte nutzen, könnten viele dieser Angebote verlieren.
Kritiker des derzeitigen Rahmens sehen darin eine De-facto-Legalisierung von berauschendem Cannabis durch eine unbeabsichtigte Lücke im Farm Bill von 2018. Sie bemängeln, dass die heutigen Produkte unzureichend reguliert und zu leicht zugänglich seien, insbesondere für Minderjährige. Viele Akteure der Marihuana-Branche betrachten den Hanfsektor als Wettbewerber, der ohne regulatorische Auflagen agiert, und fordern Reformen.
Politische Gemengelage über Parteigrenzen hinweg
Die Politik verläuft quer zu den Parteigrenzen. Ein Beispiel sind die beiden republikanischen Senatoren aus Kentucky: Mitch McConnell, der den Farm Bill von 2018 vorangetrieben hatte, gehörte zu den lautstärksten Befürwortern, die von ihm selbst geschaffene „Hanf-Lücke“ zu schließen. Rand Paul hingegen ist zu einem der schärfsten Gegner der Einschränkungen geworden. Das Weiße Haus hat sich in einem Brief an den Sprecher des Repräsentantenhauses klar gegen die Beschränkung ausgesprochen. Mehreren Medienberichten zufolge rief Präsident Trump Senator Ted Budd persönlich an, um die Position der Regierung für die Verschiebung darzulegen.
Selbst die Alkoholindustrie ist uneins. Manche Bier- und Spirituosenhersteller unterstützen weitgehend Einschränkungen bei hanfbasierten THC-Getränken, während Distributoren, Großhändler und Einzelhändler darauf drängen, diese Produkte im Sortiment zu behalten.
Mehrere Gesetzesinitiativen als Lösungsansatz
Über die kurzfristige Verschiebung hinaus kursieren im Kongress mehrere langfristige legislative Korrekturen. Der Lawful Hemp Protection Act der Abgeordneten Andy Barr (R-KY) und Angie Craig (D-MN) würde einen bundesweit besteuerten und regulierten Rahmen für Hanf-Cannabinoid-Produkte schaffen. Der Hemp Safety Enforcement Act von Paul und Senatorin Amy Klobuchar (D-MN) würde die primäre Regulierungszuständigkeit auf Bundesstaaten und Stammesregierungen übertragen. Ein drittes Gesetz, der Beverage Regulatory Parity Act der Abgeordneten Beth Van Duyne (R-TX) und Greg Landsman (D-OH), konzentriert sich auf die Regulierung hanfbasierter Getränke.
