Louisiana Spitzenreiter bei Cannabis-Festnahmen – Banken bleiben zurückhaltend
Louisiana führt die Statistik der Cannabis-Verhaftungen in den USA an, während Banken der Branche weiterhin die Zusammenarbeit verweigern – zwei aktuelle Berichte von GAO und NORML belegen die anhaltende Kluft zwischen Liberalisierung und Strafverfolgung.

Die US-amerikanische Cannabisbranche bewegt sich weiterhin im Spannungsfeld zwischen einzelstaatlicher Legalisierung und bundesrechtlichen Verboten. Gleich zwei aktuelle Untersuchungen – eine des Government Accountability Office (GAO) sowie eine Auswertung der Bürgerrechtsorganisation NORML – offenbaren, wie tief die Diskrepanz zwischen rechtlicher Realität und politischer Blockade tatsächlich ist. Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei Louisiana: Der Bundesstaat weist die höchste Quote an Cannabis-Verhaftungen aller US-Bundesstaaten auf.
Finanzinstitute bleiben trotz fehlender Sanktionen zurückhaltend
Der GAO-Bericht bestätigt, dass der Zugang zu Bankdienstleistungen für Cannabis-Unternehmen weiterhin massiv eingeschränkt ist. Obwohl die Prüfungsbehörde „keinen Beleg" dafür fand, dass je ein Geldinstitut allein aufgrund der Geschäftsbeziehung zur Marihuana-Branche belangt wurde, agieren die meisten Banken weiterhin äußerst vorsichtig. Der Grund liege weniger in regulatorischen Auflagen als vielmehr in der institutionellen Risikoscheu. Für die Unternehmen bedeutet dies: Kreditaufnahmen sind kaum möglich, reguläre Geschäftskonten schwer zu führen, und sie sind häufig auf Bargeld angewiesen – ein Sicherheitsproblem und eine Bremse für professionelles Wachstum.
Louisiana: 62 Prozent aller Drogenfestnahmen betreffen Cannabis
Eine frische NORML-Auswertung der FBI-Daten aus dem Jahr 2025 belegt, dass in Louisiana mit 62 Prozent der höchste Anteil an Cannabis-bezogenen Festnahmen im Verhältnis zu sämtlichen Drogenverhaftungen zu verzeichnen ist. Damit zählt der Staat zu einer Gruppe von sechs Bundesstaaten – darunter Idaho, Iowa, Kansas, Nebraska und Wisconsin – in denen mehr als die Hälfte aller Drogenfestnahmen auf Marihuana entfallen.
Der republikanische Fraktionsvorsitzende im Repräsentantenhaus, Steve Scalise (R-LA), wich in einem Gespräch mit Marijuana Moment einer klaren Positionierung zu diesen Zahlen aus. Er bezeichnete Marihuana stattdessen als „Einstiegsdroge", die „später andere Probleme verursache". Diese Aussage illustriert den fortbestehenden Widerspruch zwischen lokaler Strafverfolgung und der wachsenden gesellschaftlichen Unterstützung für eine Reform der Cannabispolitik.
Verschärft wird die Situation durch neue Regelungen in Louisiana: Der Gouverneur unterzeichnete ein Gesetz, das eine mögliche einjährige Haftstrafe für das Rauchen von Marihuana innerhalb von 600 Metern um Schulgelände vorsieht – wobei Hochschulen und Universitäten ausdrücklich mit eingeschlossen sind. Für Anleger und Betreiber bedeutet dies ein unberechenbares Umfeld, in dem selbst in legalisierten Staaten strafrechtliche Risiken fortbestehen.
200.000 Verhaftungen – zehn Staaten tragen 60 Prozent
Auf nationaler Ebene wurden im vergangenen Jahr über 200.000 Menschen aufgrund von Cannabis-Delikten festgenommen. Die Strafverfolgung ist dabei äußerst ungleich verteilt: Allein zehn Bundesstaaten – Texas, North Carolina, Wisconsin, Georgia, Tennessee, Pennsylvania, South Carolina, Indiana, Louisiana und Alabama – waren für rund 60 Prozent aller Marihuana-Festnahmen im Jahr 2025 verantwortlich.
In Texas gab es mehr als 29.000 Cannabis-Verhaftungen, 98 Prozent davon wegen Besitzes. Paul Armentano, stellvertretender Direktor von NORML, kritisierte diese Entwicklung als „enorme Verschwendung von Zeit und Geld" und bezeichnete die Politik als „unnötig zerstörerisch und belastend" für die Betroffenen. Besonders junge Menschen und Angehörige von Minderheiten würden mit Vorstrafen belastet, obwohl ihr Verhalten in fast der Hälfte der US-Bundesstaaten legal sei.
Forderungen nach Regulierung und Unternehmenskonflikte
Neben den Strafverfolgungsdaten wächst der Druck auf den Kongress, eindeutige Richtlinien für THC-Produkte zu etablieren. Dylan Raap von Upstate Elevator, der sowohl im regulierten Marihuana- als auch im Hanfsektor aktiv ist, argumentierte in einem Gastbeitrag, dass „die Beseitigung eines konkurrierenden Kanals nicht dasselbe ist wie dessen Regulierung". Er forderte Regeln, die Verbraucher schützen und unseriösen Anbietern keinen unfairen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
Parallel dazu bleibt die Branche von internen Auseinandersetzungen und Konsolidierung geprägt. Curaleaf Holdings, Inc. wies öffentlich „ungenauen und irreführenden Aussagen" von Aurora Cannabis Inc. im Zusammenhang mit einem möglichen Übernahmeangebot zurück. Diese Vorfälle verdeutlichen: Der Weg zu einem normalisierten, institutionell tragfähigen Cannabismarkt bleibt mit erheblichen gesetzgeberischen und operativen Hürden gepflastert.
